| Ein
Veganer im Schlachthof
Am Ende einer Straße stehen Gebäude, die das Ende vieler
Leben bedeuten. Leider hatte kein Tier, das hier her kommt je ein
natürliches Leben und sie sind auch keines natürlichen
Todes gestorben. Willkommen im Schlachthof!
Das Ende kommt grausam und schnell und bedeutet viel Geld für
skrupellose Geschäftsmänner. Nicht nur das Ende ist grausam,
das ganze Leben war nur darauf programmiert, für die Fleischindustrie
zu sterben. Diese Rinder hier werden von Geburt an auf ihren grausamen
Tod vorbereitet.
Leichengeruch liegt in der Luft und deutet auf unheilvolles hin.
Ich passiere das Tor und gehe in die Halle zu den Umkleiden, werde
"eingepackt", in einen Plastikkittel, der wie eine Zwangsjacke
anmutet, ziehe die "Praktikanten-Gummistiefel" an, meine
eigenen Vinylhandschuhe und bekomme eine Haube auf den Kopf. Wir
treffen hier zur "Fleischbeschau" am späten Vormittag
ein, zu dieser Zeit sind die Tiere schon in die Nebenhalle eingefahren
worden, so bekommt man von den Augen, die vor Todesangst geweitet
sind, nichts mehr mit.
In diese Halle werden die Rinder nach ihrem Transport getrieben
- in die Tötungsbucht. Dort zertrümmert ein Bolzenschuss
ihren Kopfknochen direkt in das Dreieck zwischen die Augen und Oberkopf
und explodiert in ihrem Hirn. Somit sind die Tiere hirntot, das
Herz muss ja noch schlagen damit es gut ausblutet.
Wannen sind untergestellt - es soll ja alles verwertet werden. Gleich
nach dem Ausbluten werden die Rinder an ihrer Achillessehne am Schlachterhaken
aufgehängt. Diese Fakten werden mir veranschaulicht erzählt -
ertragen hätte ich es selber nicht. In der nächsten Halle
kommen die Körper über ein Laufband rein. Hier muss man
jetzt aufpassen, dass einem keine Körper oder Schlachterhaken
an den eigenen Kopf schlagen. Beim ersten Blick in diese Halle steckt
mir ein Kloß im Hals. Wie können Menschen nur so gefühllos
sein, ein derartiges Massaker zu veranstalten, es als völlig
normal ansehen und auch noch legal ausüben dürfen? Diese
Skrupellosigkeit und Geldgier macht mich sprachlos.
Mein erster Gedanke: rausrennen und heulen - aber ich bin mir sofort
darüber im klaren, dass nicht ICH für dieses Massaker
verantwortlich bin! Aber wer noch Fleisch isst, sollte sich schämen,
für so etwas verantwortlich zu sein!
Körper und Köpfe kommen über das Laufband getrennt
rein, beide werden gehäutet; die Klauen fehlen bereits. Ihre
Beine werden festgekettet, die Haut von Maschinen und Männern
abgezogen sie fährt über ein Laufband nach draußen
in einen großen Container für die lederverarbeitende
Industrie. Man tritt in Blutlachen, überall spritzt Blut, kleine
Fleischstücke fliegen durch die Gegend, denn "Abfall"
wird in bestimmte Behälter geworfen - und landet auch manchmal
daneben.
Alles wird getrennt: Zwerchfell, Niere oder Leber. Je nachdem, an
welche Industrie es wenig später geliefert wird. Ohrenbetäubender
Lärm der Maschinen, man muss sich anschreien, hier kann man
leicht schwerhörig werden. Der erste Aufschnitt: die Innereien
fallen auf das Laufband, von Luftröhre bis Leber auf eines,
Mägen / Darm bis Rektum auf ein anderes. Urin fließt
heraus, auf dieses Laufband - der Kot wird später noch als
Dünger gesammelt. Das Magen-Darm-Geschlinge fällt vom
Laufband, nun zieht sich zusätzlich zu den Blutlachen noch
eine Urinlache über den Boden.
Ich stehe am Laufband, wo das Zwerchfell zur Untersuchung rausgeschnitten
wird und das Herz aufgrund der Finnenschau eröffnet wird. Hinter
mir fahren die Laufbänder mit abwechselnd je einem Kopf an
den Haken und den oberen Eingeweiden von Zunge, Luftröhre,
über Lunge, Herz, bis Leberteile. Die gesamte Leber geht in
separate Wannen, wird dann zum Abtropfen aufgehängt. An einem
Kopf zucken die Muskeln, denn der Zelltod setzt ja erst später
ein.
Das Leben beginnt, indem alle Zellen gleichzeitig anfangen zu arbeiten,
beim Tod stirbt jede Zelle nacheinander für sich...
Das tote Fleisch ist noch warm und es kommt einem hoch, wenn man
denkt, dass die Tiere kurze Zeit vorher noch lebendig waren, und
nur aufgrund der Nachfrage des Verbrauchers jetzt hier als Leichen
hängen.
Inzwischen bin ich von oben bis unten mit Blut bespritzt und gehe
zum Laufband, wo die Därme landen. Hier wird auch die Leber
auf Parasiten untersucht. Einen Leberegel haben wir gefunden er
ist grün und läuft über den Finger, sich schmal machend,
damit er durch die Gallengänge passt. Er lebt noch, welche
Ironie...
In einer anderen Ecke die Köpfe: blutüberströmt strecken
sie ihre Zungen raus - werden in eine Maschine gesteckt und von
der Haut abgezogen. Das Hirn fehlt bereits, es gilt als Gefahrengut
seit BSE und wird vernichtet. Die Augen werden rausgeschnitten,
ein Teil des Hinterkopfes wird entfernt. Gegenüber setzt ein
Mann auf einem Hydraulikrost eine riesige Elektrosäge an und
zerteilt den äußeren Rest des Rinderkörpers. Ein
Rind wird entdeckt, welches nicht als Lebensmittel zugelassen wird,
es hatte wahrscheinlich einen Infekt, angeschwollene Lymphknoten,
ein dickes Knie - es wird ausgesondert und mit einem Farbstift mit
einem Dreieck versehen. Die Innereien sind allerdings schon über
die Laufbänder gegangen und gelangen infiziert in den Handel...
Sind die Rinder gesund und werden zugelassen, bekommen sie Stempel
auf jede Hälfte und werden am Laufband weiter gefahren. Eine
Industrie des Grauens, mit Männern, die von oben bis unten
mit Blut voll geschmiert im Pausenraum sitzen und frühstücken.
Alles ist völlig normal für sie, sie haben keinen Respekt
vorm Leben. In den Hallen unter ihnen wird getötet, gemordet
oder einfach "geschlachtet", wie sie es nennen.
Ich habe alles gesehen und gehe an die frische Luft. Es ist mild,
die Sonne scheint, ich amte tief durch. Die armen Tiere werden nie
wieder das Sonnenlicht sehen, werden nie wieder atmen können -
nur nicht daran denken. Ich gehe nicht wieder rein, habe den Kittel
geputzt, richtig schrubben musste ich ihn, um ihn von dem ganzen
Blut und den draufklebenden Fleischstücken zu befreien. Habe
meine Hände gewaschen und desinfiziert, bin aber trotzdem gleich
zu Hause schnell unter die Dusche gegangen und habe auch die Haare
gewaschen. Denn man fühlt sich völlig eklig, voll mit
fremdem Blut besudelt zu sein.
In der Halle daneben werden die Mägen für die Hundefutter
Industrie bearbeitet und die Därme für die "Naturdarm-Industrie".
Alles wird verwertet, bis auf das "Muh"!
Und genau das sollte uns in den Ohren klingen und daran erinnern,
das Kühe nicht hinter einer Theke liegen sollten!!!
Es ist Freitag Mittag, gleich ist Wochenende, auf dem Hof stehen
die LKWs und fahren weg - nun sind sie leer...
Ein Aufkleber prangt hinten drauf: "Artgerechte Tiertransporte,
dem Tierschutz verpflichtet"... welche Ironie spielt hier mit...
Ein makaberer Praktikumstag ist zu Ende.
Text: Tina Ehmke
Foto: PETA
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